Die Anreise erfolgte wie im letzten Jahr bei der Tour
„Basel-Nizza“ mit dem Zug, nur das ich in diesem Jahr den Nachtzug
nehmen wollte. Der Vorteil von diesen Nachtzügen ist einfach der gewonnene
Tag und zudem auch noch der günstige Preis. Bei entsprechend früher
Buchung konnte ich mit dem CityNightLine für 29,- € nach Zürich fahren,
ein unschlagbarer Preis für die ca. 600km von Bad Bodendorf nach Zürich.
Die 10,- € für die internationale Fahrradkarte kommt natürlich noch
hinzu. Um ca. 22:30 Uhr am Freitagabend machte ich mich nun auf und es
begann nicht vielversprechend. Wie schon die Tage zuvor begann es an zu
regnen und ich befürchtete schon nichts Gutes. Außerdem hatte ich in
diesem Jahr schon vor dem Start ein ungutes Gefühl, weil in diesem Jahr
doch schon so einiges nicht planmäßig lief und ich eine Fortsetzung bei
dieser Tour vermutete. Aber einen Rückzieher vor der Tour kam für mich
aber auch nicht in frage und deshalb stieg ich natürlich in den Triebwagen
ein. In Remagen und Bonn hieß es dann bitte umsteigen. Es war aber Zeit
genug. Mit leichter Verspätung kam dann der Nachtzug in den Bonner
Hauptbahnhof und ich stieg ein. Eine Schweizer Fahne deutete bereits an,
dass dieser Zug in die Schweiz fuhr. Zur Information: Der Nachtzug ist
geteilt. Ein paar Wagen fahren nach München und ein paar Wagen nach Zürich.
Es wäre also wenig ratsam das Fahrrad in Waggon für die Fahrt nach München
zu stellen und selber dann im Abteil für nach Zürich zu sitzen. Das
freundliche Bahnpersonal konnte aber meine Waggonwahl nur bestätigen. Im
Ruhesessel verbrachte ich nun die Nacht und pünktlich erreichte der Zug Zürich.
Im gut mit Menschen gefüllten großen Züricher-Sackbahnhof fand ich mich
aber schnell zurecht und konnte direkt am Bahnhof ein Hinweisschild von
veloland-Schweiz finden, welches mir den Weg wies. Es hat schon einige Zeit
gedauert bis ich Zürich verlassen habe, weil es doch eine größer Stadt
ist, z.Z. einige Baustellen die Wegführung enorm verändern und der dichte
Verkehr mit PKW‘s, Bussen und Straßenbahnen schon etwas Aufmerksamkeit
bedarf. Aber nach knapp einer Stunde war ich außerhalb von Zürich und
schnell kehrte Ruhe ein. Die Beschilderung der Mittellandroute war wie zu
erwarten sehr gut. Der Weg zum Bodensee sollte also relativ einfach zu
fahren sein und keine Probleme bereiten. Auch das Wetter war einiger maßen
ok, stärkere Bewölkung, Temperaturen um die 18°C und ein paar einzelne Tröpfchen
waren zu spüren. Eine „optische Täuschung“ konnte ich in einem Waldstück
erleben. Dabei ging es für mich zunächst gerade und flach, ehe es in
weiterer Entfernung nach links ging und dabei die Straße nach oben gehen mußte.
Bäume verhinderten eine komplette Sicht und ließen nur ganz kurz ein paar
Lücken zur Straße. Unten direkt in der Linkskurve konnte ich noch einen
Radler sehen, der in leuchtender Regenbekleidung in den Aufstieg fuhr. Bäume
verdeckten den Radler rasch und er war wieder verschwunden. Kurze Zeit später
sah ich Ihn immer mal wieder in den Lücken und wunderte mich über die
enorme Geschwindigkeit, mit der er diesen Anstieg hoch fuhr. Ich dachte mir
noch, ein wirklich schneller Radfahrer. Ohne weiter darüber nach zudenken
fuhr ich weiter und bog bald auch in diese Linkskurve den Berg hinauf. Was
ich da sah konnte ich nicht glauben. Eine ganze Gruppe von älteren
Radfahrern aus Holland war dort zu sehen und alle hatten die gleiche
Regenjacke an. Und von hoher Geschwindigkeit konnte ich hier nicht mehr
sprechen. Die meisten schoben. So hatte ich als den vermeintlich schnellen
Radfahrer wohl falsch eingeschätzt und jedes mal einen anderen Radfahrer
aus der Ferne beobachtet. Die Hölländer waren mehr als verblüfft als ich
die gesamte Gruppe mit meinem Rad und dem Gepäck überholte und ich mußte
doch ein wenig lachen. Schon früh am Nachmittag erreichte ich den Bodensee
und erfreute mich seines Anblickes. Sofort erinnerte ich mich an die Radtour
von 1993 mit einigen Freunden rund um den Bodensee. Damals war das Wetter
allerdings in Romanshorn etwas besser. Noch ein paar wenige Kilometer bis
nach Reineck zum Zeltplatz standen auf dem Programm. Alles lief gut, außer
mein Hinterrad. Das schien etwas zu „eiern“ und ich habe mich schon ein
wenig geärgert, weil die Felge ganz neu war, denn bei der vorhergehenden
Tour war die alte Felge aufgeplatzt. Wie ich dann feststellte hatten sich
alle Speichen gelöst und es war ein Wunder, dass ich die 138km überstanden
hatte. Einen schönen Gruß an ein Osnabrücker Fahrradgeschäft, welches
mir versichert hatte, dass das Laufrad absolut ok ist und ein Nachziehen der
Speichen nicht nötig sei. So habe ich dann am späten Nachmittag noch mein
Laufrad repariert. Der Abend klang dann bei Dauerregen, einem leckeren Essen
und dem EM-Länderspiel Deutschland gegen Niederlande auf dem Campingplatz
aus. Der erste Tag war somit überstanden und das Einfahren gelungen.