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Etappe 6

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Bericht Tag 6: von Innertkirchen nach Alpnachstad

Ein Wunder am heutigen Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen. Und was war das für ein Wunder? Genau, die Sonne schien und nur ein paar Wolken am Himmel. Das war unglaublich, denn wo war das ganze schlechte Wetter von gestern Abend hin. Mir sollte es recht sein und ich war mehr als erfreut. Das Packen ging schon schneller als an den Tagen zuvor, weil ich ja das Zelt nicht abbauen musste. Schon bald saß ich auf dem Rad und es ging direkt hinauf zum Sustenpass. Mit 2224m ü. dem Meeresspiegel schon ein beachtlicher „Hügel“ und irgendwie rollte es am Morgen noch nicht so recht. Vermutlich hatten die drei Pässe von gestern und das „abscheuliche“ Wetter mehr Kraft gekostet, als ich am Abend wieder an Nahrung zu mir genommen hatte. Erstaunlich war allerdings die Parallel zur Tour Basel – Nizza vom letzten Jahr. Dort hatte ich auch einen „müden“ Tag und der war zufällig ebenfalls bei der sechsten Etappe. Es half aber nichts, der Gipfel musste erklommen werden und langsam aber stetig und unaufhaltsam führte der Weg nach oben. Ein schönes Tal mit ein paar Wasserfällen lenkten mich und meine „kraftlosen“ Beine ab. Munter fuhren die Postbusse den Pass auf und ab und dann und wann ließen sie mal ihre herrlich klingenden Posthörner ertönen. Es waren schon einige Touristen unterwegs, die meisten mit dem Motorrad. Für den frühren Morgen eher ungewöhnlich. Ein älteres holländisches Ehepaar sonnte sich auf ein paar Liegestühlen neben ihrem Wohnmobil. Den Blick richteten sie dabei auf den Sustensee und den Sustengipfel. Ein in der Sonne glänzender mit Schnee bedeckter Felsen an dessen unterem Ende der See lag. Teilweise noch gefroren und mit Eisschollen bedeckt. Und irgendwann erreichte ich dann auch die Passhöhe. Ich war schon ein wenig froh oben angekommen zu sein. Hier tummelten sich bereits eine ganze Menge von Touristen. Ein paar Engländerinnen kletterten aus dem Bus und schlappten mit ihren Sandalen direkt in eine große Pfütze. Ein kurzer Schrei wegen des kalten Wassers und das Gelächter war auf ihrer Seite. Doch dann traute ich meinen Augen nicht. Für mich unvorstellbar, aber es kam eine Gruppe von Wintersportlern des Pass hinauf. Diese Wintersportler kamen auf Ski mit Rollen hier oben an. Nur mit Skistöcken angetrieben. Was muss das für eine Leistung in den Armen sein. Für mich unvorstellbar. Vielleicht dachten die das dann auch über mich. Gefragt habe ich nicht. Nach ausgiebiger Erholungspause machte ich mich wieder auf den Weg. Eine nette Abfahrt wartete auf mich und während dessen änderte ich meine geplante Route. Auf zwei Pässe verzichten und dafür einen Ruhetag einlegen. So steuerte ich dann direkt vom Sustenpass zum Vierwaldstätter See. Dieser lag aber noch ca. 60km von mir entfernt. Unterwegs sah ich wieder herrliche Eisenbahnbrücken und tolle Wasserfälle. Eine Gruppe Tourenradler mit Gepäck. Ja sogar zwei Frauen waren dabei. Diese wollten gerade zum Sustenpass hinauffahren. Ich wünschte ihnen viel Spaß. Nach ein paar Stündchen erreichte ich dann den Vierwaldstätter See. Dieser heißt deshalb so, weil die mächtigen Wälder der vier Städte Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern an diesen See grenzen. Der Radweg führte direkt an der Straße entlang und diese war sehr stark befahren. Etwas unangenehm, aber der Blick auf den See entschädigte für den Lärm von den vorbeifahrenden Autos. Einen besonders schöne Aussicht konnte ich im Ort Brunnen genießen. Von dort blickte ich auf zwei Schenkel des Vierwaldstätter Sees, die sich mehrere Kilometer entlang der Berge schlängelten. Erst da wurde die komplexe Vielfalt des Sees ersichtlich. Der voralpine Urnersee sowie das Gersauer und das Vitznauer Becken gleichen mit ihren steielen Wänden Fjorden, während die flachen Seearme von Luzern und Küssnacht schon Mittelmeercharakter haben. Ein wenig weiter, kurz hinter dem Ort Gersau, musste ich eine kleine Pause einlegen und auf die Fähre warten. Diese kam erst in ca. 45 Minuten wieder. Also reichlich Zeit um sich gemütlich zu stärken und einen leckeren Salat direkt am See zu verspeisen. Pünktlich auf die Minute und so wie es für die Schweizer üblich ist, legte die Fähre am Ufer an und nahm die Passagiere auf. Ein paar älter Damen setzten sich ebenfalls oben auf das Deck und „klafften“ ein bisschen mit schönem Schweizer Dialekt. Ein wenig musste ich dabei schon schmunzeln und so kamen wir ins Gespräch. Sie waren ganz begeistert von meinem Vorhaben die Schweiz mit dem Fahrrad zu durchfahren und zu erleben. Dabei gaben sie mir noch einige Tipps und nannten mir einige Sehenswürdigkeiten, die ich auf jeden Fall sehen sollte. Nach knappen 20 Minuten legte die Fähre an und die letzten knappen 15km für diesen Tag absolvierte ich in wenigen Minuten. Leider oder vielleicht auch zum Glück war der Campingplatz nicht ausgeschildert und so fuhr ich zunächst in den Ort Alpnachstad. Dort wurde mir mitgeteilt, dass der Campingplatz wieder ein Stück zurück wäre. Also bin ich wieder etwas zurückgefahren und musste an einer Bahnschranke anhalten. Vor mir stand nur ein PKW, dessen Tür sich aber gerade öffnete. Ein Mann kam auf mich zu und fragte ganz direkt, ob ich denn alleine fahre und wohin ich denn wollte. Na ja und dann griff er in die Hosentasche, zog sein Portmonee heraus und gab mir 20 sFr. Verwundert wimmelte ich ab und fragte ihn weshalb? Darauf antwortete er nur:“ Früher bin ich auch solche Touren mit dem Rad gefahren und haben dann auch Geld von Passanten erhalten. Und ich finde das so klasse, dass es das heute noch gibt. Ich solle doch jetzt den Mund halten und das Geld annehmen.“ Darauf hin nahm ich das Geld und fragte ihn nach dem Campingplatz. Was für ein Zufall, denn er fuhr gerade dort hin und ich folgte ihm. Am Abend haben wir dann noch etwas geplaudert und dabei Fußball geschaut.

 

Fotos?

kommen noch!