Ein Wunder am heutigen Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen.
Und was war das für ein Wunder? Genau, die Sonne schien und nur ein paar
Wolken am Himmel. Das war unglaublich, denn wo war das ganze schlechte
Wetter von gestern Abend hin. Mir sollte es recht sein und ich war mehr als
erfreut. Das Packen ging schon schneller als an den Tagen zuvor, weil ich ja
das Zelt nicht abbauen musste. Schon bald saß ich auf dem Rad und es ging
direkt hinauf zum Sustenpass. Mit 2224m ü. dem Meeresspiegel schon ein
beachtlicher „Hügel“ und irgendwie rollte es am Morgen noch nicht so
recht. Vermutlich hatten die drei Pässe von gestern und das
„abscheuliche“ Wetter mehr Kraft gekostet, als ich am Abend wieder an
Nahrung zu mir genommen hatte. Erstaunlich war allerdings die Parallel zur
Tour Basel – Nizza vom letzten Jahr. Dort hatte ich auch einen „müden“
Tag und der war zufällig ebenfalls bei der sechsten Etappe. Es half aber
nichts, der Gipfel musste erklommen werden und langsam aber stetig und
unaufhaltsam führte der Weg nach oben. Ein schönes Tal mit ein paar
Wasserfällen lenkten mich und meine „kraftlosen“ Beine ab. Munter
fuhren die Postbusse den Pass auf und ab und dann und wann ließen sie mal
ihre herrlich klingenden Posthörner ertönen. Es waren schon einige
Touristen unterwegs, die meisten mit dem Motorrad. Für den frühren Morgen
eher ungewöhnlich. Ein älteres holländisches Ehepaar sonnte sich auf ein
paar Liegestühlen neben ihrem Wohnmobil. Den Blick richteten sie dabei auf
den Sustensee und den Sustengipfel. Ein in der Sonne glänzender mit Schnee
bedeckter Felsen an dessen unterem Ende der See lag. Teilweise noch gefroren
und mit Eisschollen bedeckt. Und irgendwann erreichte ich dann auch die
Passhöhe. Ich war schon ein wenig froh oben angekommen zu sein. Hier
tummelten sich bereits eine ganze Menge von Touristen. Ein paar Engländerinnen
kletterten aus dem Bus und schlappten mit ihren Sandalen direkt in eine große
Pfütze. Ein kurzer Schrei wegen des kalten Wassers und das Gelächter war
auf ihrer Seite. Doch dann traute ich meinen Augen nicht. Für mich
unvorstellbar, aber es kam eine Gruppe von Wintersportlern des Pass hinauf.
Diese Wintersportler kamen auf Ski mit Rollen hier oben an. Nur mit Skistöcken
angetrieben. Was muss das für eine Leistung in den Armen sein. Für mich
unvorstellbar. Vielleicht dachten die das dann auch über mich. Gefragt habe
ich nicht. Nach ausgiebiger Erholungspause machte ich mich wieder auf den
Weg. Eine nette Abfahrt wartete auf mich und während dessen änderte ich
meine geplante Route. Auf zwei Pässe verzichten und dafür einen Ruhetag
einlegen. So steuerte ich dann direkt vom Sustenpass zum Vierwaldstätter
See. Dieser lag aber noch ca. 60km von mir entfernt. Unterwegs sah ich
wieder herrliche Eisenbahnbrücken und tolle Wasserfälle. Eine Gruppe
Tourenradler mit Gepäck. Ja sogar zwei Frauen waren dabei. Diese wollten
gerade zum Sustenpass hinauffahren. Ich wünschte ihnen viel Spaß. Nach ein
paar Stündchen erreichte ich dann den Vierwaldstätter See. Dieser heißt
deshalb so, weil die mächtigen Wälder der vier Städte Uri, Schwyz,
Unterwalden und Luzern an diesen See grenzen. Der Radweg führte direkt an
der Straße entlang und diese war sehr stark befahren. Etwas unangenehm,
aber der Blick auf den See entschädigte für den Lärm von den
vorbeifahrenden Autos. Einen besonders schöne Aussicht konnte ich im Ort
Brunnen genießen. Von dort blickte ich auf zwei Schenkel des Vierwaldstätter
Sees, die sich mehrere Kilometer entlang der Berge schlängelten. Erst da
wurde die komplexe Vielfalt des Sees ersichtlich. Der voralpine Urnersee
sowie das Gersauer und das Vitznauer Becken gleichen mit ihren steielen Wänden
Fjorden, während die flachen Seearme von Luzern und Küssnacht schon
Mittelmeercharakter haben. Ein wenig weiter, kurz hinter dem Ort Gersau,
musste ich eine kleine Pause einlegen und auf die Fähre warten. Diese kam
erst in ca. 45 Minuten wieder. Also reichlich Zeit um sich gemütlich zu stärken
und einen leckeren Salat direkt am See zu verspeisen. Pünktlich auf die
Minute und so wie es für die Schweizer üblich ist, legte die Fähre am
Ufer an und nahm die Passagiere auf. Ein paar älter Damen setzten sich
ebenfalls oben auf das Deck und „klafften“ ein bisschen mit schönem
Schweizer Dialekt. Ein wenig musste ich dabei schon schmunzeln und so kamen
wir ins Gespräch. Sie waren ganz begeistert von meinem Vorhaben die Schweiz
mit dem Fahrrad zu durchfahren und zu erleben. Dabei gaben sie mir noch
einige Tipps und nannten mir einige Sehenswürdigkeiten, die ich auf jeden
Fall sehen sollte. Nach knappen 20 Minuten legte die Fähre an und die
letzten knappen 15km für diesen Tag absolvierte ich in wenigen Minuten.
Leider oder vielleicht auch zum Glück war der Campingplatz nicht
ausgeschildert und so fuhr ich zunächst in den Ort Alpnachstad. Dort wurde
mir mitgeteilt, dass der Campingplatz wieder ein Stück zurück wäre. Also
bin ich wieder etwas zurückgefahren und musste an einer Bahnschranke
anhalten. Vor mir stand nur ein PKW, dessen Tür sich aber gerade öffnete.
Ein Mann kam auf mich zu und fragte ganz direkt, ob ich denn alleine fahre
und wohin ich denn wollte. Na ja und dann griff er in die Hosentasche, zog
sein Portmonee heraus und gab mir 20 sFr. Verwundert wimmelte ich ab und
fragte ihn weshalb? Darauf antwortete er nur:“ Früher bin ich auch solche
Touren mit dem Rad gefahren und haben dann auch Geld von Passanten erhalten.
Und ich finde das so klasse, dass es das heute noch gibt. Ich solle doch
jetzt den Mund halten und das Geld annehmen.“ Darauf hin nahm ich das Geld
und fragte ihn nach dem Campingplatz. Was für ein Zufall, denn er fuhr
gerade dort hin und ich folgte ihm. Am Abend haben wir dann noch etwas
geplaudert und dabei Fußball geschaut.