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Etappe 8

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Bericht Tag 8: von Unterseen nach Lausanne

Am Morgen der achten Etappe zeigte sich erneut die Sonne schon ganz früh und meine gute Laune wurde dadurch nur noch besser. Es war halt doch einfach viel schöner ohne Regen zu starten und im T-Shirt und kurze Hose zu radeln. Die ersten Kilometer ging es am Thuner See entlang. Und auch einige Angler nutzten den Tag schon früh am Morgen. Der Thuner See ist übrigens ein Seglerparadies, weil hier eine sehr konstanter Wind an den meisten Tagen im Jahr herrscht und das von den Sportlern sehr geschätzt wird. Mir kam das nicht ganz entgegen oder besser gesagt schon. Also der Wind kam mir entgegen, aber das kostete mich ja nur mehr Kraft. Nach knappen zwanzig Kilometer verließ ich den See und mein Weg führte entlang der Simme. Ein kleinerer Fluß entlang der berühmten Lötschbergbahn und den prächtigen Simmentaler Bauernhäuser, welche zu den schönsten Europas gehören. Ein nettes Tal und doch kam ich nicht ganz so vorwärts wie ich es gerne gehabt hätte. Waren die die Pässe vom Vortag vielleicht doch zuviel und steckten in meinen Beinen? Vielleicht lag es aber auch an der Wegführung, denn ich nutze den Radweg. Doch dieser machte eine Schleife nach der anderen, der Weg war mal stark geschottert und auch mal geteert. Auf jeden Fall war es nicht ganz das ideale Straßenprofil um zielstrebig nach Lausanne am Genfer See zu gelangen. Deshalb entschloss ich mich die Route ein wenig zu ändern und anstatt dem Tal zu folgen noch einen kleinen Pass zu fahren und somit sogar noch etwas abkürzen konnte. Es war ein sehr schöner Pass und das Wetter spielte ideal mit. Die Sonne schien und wider erwarten war sehr viele Radfahrer unterwegs. Allerdings alles Fahrer auf Rennrädern, die deutlich schneller unterwegs waren als ich. Aber auch ich konnte den einen oder anderen Radfahrer überholen und das hatte mich ja auch schon im letzten Jahr auf dem Weg von Basel nach Nizza stark verblüfft. Wer lässt sich den gerne von einem Mountenbiker mit Gepäck überholen. Oben angekommen versuchte ich dann mein Glück mit dem Passfoto. Freundlicher Weise bot mir ein Schweizer Radler seine Hilfe an und ich nahm dankend an. Jedoch habe ich selten so lange auf mein Foto warten müssen bzw. selten dabei so gelacht. Zunächst kam er mit der Kamera nicht zurecht, dann hatte er einen Finger vor der Linse, dann kam ein LKW dazwischen. Also wir haben dann mehr als 5min. Für dieses Foto benötigt. Weil es aber so lustig war und der Schweizer dann sogar selber zu gab, dass es wohl alleine schneller funktioniert hätte, war es mir aber ganz egal. Wir plauderten dann noch etwas, weil er wartete auf seine Frau, die übrigens auch mit dem Rad den Passanstieg hinauffuhr. Und wir waren auch beide von diesem super Wetter angetan, dass es doch ideal zum Radeln sei. Er erzählte mir auch, dass es heute eine Radveranstaltung gab, weil ich mich über den großen Andrang hier wunderte. Für unser eins war es dann wohl so was wie eine RTF. Irgendwann verabschiedeten wir uns, weil seine Frau war noch nicht oben und ich wollte schon weiter. Auf die Abfahrt freute ich mich, sollte es doch der letzte größere Anstieg für heute gewesen sein. Nach ca. 10min. Abfahrt traute ich meinen Augen nicht. Das herrliche supertolle Sonnenwetter verschwand auf einmal und starker plötzlicher Regen setzte ein. Zunächst hielt ich unter einem Baum an, in der Hoffnung es sei nur eine Schauer. Aber der Regen dauerte doch länger und ich zog mich meine Regenkleidung über. Die Fahrt setze ich fort und wirklich keine 5min. später hörte der Regen genauso plötzlich auf, wie er angefangen hatte. Das waren also die Alpen live. Im Tal war es wieder sehr angenehm und so langsam änderte sich auch das Äußere der Häuser. Dabei wurde jetzt zunehmend der französische Einfluss in den Orten bemerkbar und die Leute sprachen auch hauptsächlich französisch. Die Landschaft wurde nun deutlich flacher und die Temperaturen höher. Vom noch entfernten Genfer See zogen dunkle Wolken auf und ich befürchtete schon ein ganz dickes Gewitter. Deshalb änderte ich ein wenig meine Route und fuhr nicht direkt nach Lausanne sondern machte einen kleinen Bogen. Das war zwar ca. 10km weiter, aber meine Theorie ging auf und ich bekam nur ein paar ganz wenige Tropfen ab. Dann erreichte ich den Genfer See und es war wieder ein malerische Ausblick von der Höhe. Die steil nach oben führenden Alpen im Hintergrund auf der gegenüberliegenden Seite und die Weinlandschaft mit den vielen Rebstöcken auf der Hiesigen. Durch den Dunst verlor sich der See in der Ferne und es hätte auch gut ein Meer sein können. Die Abfahrt zum See genoss ich in vollen Zügen und freute mich, das ich nicht durch das Gewitter fahren musste. Am See entlang ging es nun noch ca. 20km auf einer breiten stark befahrenen Straße Richtung Lausanne. Ich freute mich auf diese schöne Stadt und trat schon mächtig in die Pedalen. Dabei kam auch die Sonne wieder und die olympische Stadt wartete nur auf einen Besuch von mir. Und dann spürte ich einen Ruck und lag in den Leitblanken. Ja genauso plötzlich erging es mir. Von einer normalen Fahrt wurde ich plötzlich von irgendetwas in die Leitblanken gedrückt Hatte mich doch ein Autofahrer einfach umgefahren und mich dann in die Absperrung gedrückt. Die Satteltasche lag auf der Straße, der Schlafsack auch, kleine Schürfungen an Hand und Armen zog ich mir zu und ein kleiner Riss in der Hose trug ich davon. Passanten hielten an und halfen mir mit Pflaster und Desinfektionsmittel. Allerdings der Übertäter nicht, der fuhr weiter und kümmerte sich um nichts. Leider konnte ich diesen nicht erkennen, weil alles so schnell ging. Zum Glück war das Ende sehr glimpflich und setzte die Fahrt nach kurzer Zeit fort. Allerdings hatte ich dann nicht mehr ganz so viel Freude und suchte relativ schnell den Zeltplatz auf. Als Ausgleich ließ es ich mir dann am See und einem deftigen Mahl gut gehen. Von so einem Verrückten ließ ich mir diese Tour nicht verderben. Aber das ist wieder typisch. Da fahre ich durch die angeblich so gefährlichen Alpen und dann werde ich in der Nähe einer größeren Stadt angefahren. Das bestätigte zumindest meine Gedanken, dass die meisten Leute in den Bergen wohl wissen was sie tun. Bei den Städtern bin ich mir da nicht imner so sicher. Ein kleines Gespräch mit einem Radler aus Dänemark beendete meinen Tag. Zu erwähnen sei nur noch, dass dieser Däne Rentner war und wieder die nächsten ca. 3-4 Monate mit dem Rad unterwegs sei. Dabei fuhr er von Dänemark über Deutschland, die Schweiz und Frankreich bis nach Spanien. Den Rückweg gestaltete er in der Form, dass er immer Richtung Norden fahren würde und automatisch nach Dänemark kommen würde. Eine starke Leistung.