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Etappe 9

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Bericht Tag 9: von Lausanne nach Fleurier

Nach dem Unfall vom Vortag war ich nun froh den Trubel am Genfer See bald wieder zu verlassen. Obwohl es eine wirklich sehr schöne Weinlandschaft ist und das Klima absolut mild ist, freute ich mich nun auf den Jura. Jene Gebirgskette, die ich im letzten Jahr nur von der schroffen Rückseite aber imposanten Rückseite gesehen habe. Bis dahin waren es aber noch knappe 40km, wobei 20km bei etwas mehr Verkehr zu fahren waren. Aber es ist gut gegangen und Morges war in Sicht. Das ist nur ein kleines Örtchen, welches ich ebenfalls im letzen Jahr gekreuzt habe Ab dort ging es oberhalb des Sees weiter und ein unvergesslicher Blick auf den See und das Alpenpanorama wurde mir zu teil. Dann verließ ich diese herrliche Wein- und Rebenlandschaft und sagte adieu dem Trubel und erlebte das absolute Gegenteil. Der Jura, eine geheime Landschaft mit einsamen tannbestandenen Hochebenen und stillen Tälern mit quirligen Bächen. Hier würde sicher auch der Hase dem Fuchs noch eine gute nacht wünschen. Ich genoss die Ruhe in vollen Zügen, auch wenn der Weg zunächst bis auf 1341m anstieg. Im dünn besiedelten Hochjura ist eine typische Wald-Weide-Parklandschaft erhalten. Ein Mosaik von Wäldern, Mooren, Karstfelsen und Kuhweiden mit mächtigen Tannen und einigen Sennhütten ist dort zu finden. Ein Netz mit ca. 100km Trockenmauern aus behauenen Kalksteinen erzählen von der jahrhundertealten Bewirtschaftung, die auch heute noch sehr naturnah ist. Der rauhe Jura bietet sehr vielfältiges, besonders Ruhe. Im Frühling ist der Jura auch sehr unterschiedlich. Ist doch im Süden schon alles grün und die Blüten zeigen sich, so liegt auf dem Hochjura häufig noch Schnee. Unterschiedlicher kann eine Landschaft kaum sein. Sehr viele verschiedene Tierarten leben noch heute dort und finden ideale Bedingungen und Lebensräume. Eine wirklich tolle Landschaft und mein Weg führte weiter und ich passierte den Lac de Joux, ein nett gelegener See in Mitten einer klasse Naturlandschaft. Ideal eigentlich um innehalten, doch lag mein Ziel für den heutigen Tag noch deutlich weit weg. Hier oben auf ca. 1000 m u.M waren die paar Menschen früher im Winter abgeschnitten, denn es gab keine Gelegenheit mehr das Tal zu erreichen. Deshalb wurde eine Bahnlinie gebaut und so wuchs das Dörfchen Vallorbe zu einer etwas größeren Stadt. Wobei groß aber jetzt keine Großstadt ist, sondern lediglich die Größe von Ahrweiler hat. Und immer wieder glichen sich die Bilder und Wegstrecken. Ganz selten traf ich auf den Wegen Reisende an. PKW‘s so gut wie überhaupt nicht. Manchmal arbeiteten ein paar Landwirte auf den Feldern, aber mehr auch nicht. Zur Beruhigung und zum Entspannen ideal. Die Straßen ging häufig bergauf und wieder bergab, nichts für Sonntagsradler und unangenehmer als so mancher Pass. Aber das störte mich nicht so besonders. Im laufe das Tages wurde es noch richtig warm und der dankbare Schatten und die nötige Frische holte ich mir immer wieder durch die Strecken durch den Wald. Am Abend erreichte ich dann das Nest Fleurier und es war ein gemütlicher Campingplatz. Leicht chaotisch, weil der Inhaber gerade nicht anwesend war und die Auszubildende nicht so recht informiert war. Zudem sprachen alle nur französisch und ich verstand nicht all zu viel. Auf jeden Fall gab es noch etwas leckeres zu essen, denn der Grill war aufgebaut und die Leute nahmen mich einfach mit in ihre Runde. Später gesellte sich auch noch eine Frau hinzu die etwas deutsch Sprach. Von ihr erfuhr ich auch, dass die größte Kluft der Schweizer die interne Verständigung zwischen den deutsch Schweizern und den französischen Schweizern sei. Das die Grenzen zu Europa vermutlich kleiner waren als die internen Grenzen und sich beide Gruppen nicht gegenseitig mögen und auch nicht akzeptieren. Zu dem sei die Arbeitslosenquote auch recht hoch und würde deutlich über 10% liegen, besonders im französischen Teil. Ob das vielleicht auch einer der Gründe sei, weshalb sich beide „Völker“ nicht sonderlich mögen? Zumindest sind sich beide wirklich sehr unterschiedlich. Nach dem Mahl wurde rasch sehr frisch und ich ging schon bald zu Bett oder besser ich kletterte in den Schlafsack. Ein weitere sehr schöner Tag war bereits Geschichte.