Am Morgen wachte ich etwas später auf als die Tage zuvor.
Jedoch für viele andere Urlauber noch deutlich früher und die Kirchenuhr
schlug gerade dreiviertel sieben. Die Sonne strahlte wieder und die Wolken
fielen bei dem leuchtenden blauen Himmel so gut wie nicht auf. Es
versprach wieder ein herrlicher Tag zu werden. Zudem waren die ca. 110km
ja nun wirklich nicht so beängstigend wie noch die Alpenpässen. Konnte
ich doch sehr entspannt an der Aare entlang fahren und die war wie die
meisten Flusstäler sehr
flach. Die wenigen kurzen Steigungen störten mich überhaupt nicht. So
konnte ich die Aussicht abermals genießen und meine Rundfahrt gemütlich
ausklingen lassen. Einige Wasserlaufradkraftwerke kreuzten meinen Weg bzw.
stauten das Wasser der Aare etwas an. Eine wirklich preiswerte
Stromerzeugung, die durch geschickte Verkleidung des Gebäudes noch nicht
mal eine landschaftlicher Verschandelung darstellte. Einige dieser Gebäuden
waren sogar sehr ansehnlich und würden auch in das Stadtbild von
Ahrweiler passen. Auch war die von vielen Umweltschützern oft genannte
Geräuschentwicklung so gut wie nicht wahrnehmbar. Im Gegenteil, denn
sobald ein PKW an mir vorbei fuhr wurde der Pegel deutlich höher und von
der Stromerzeugung war nichts zu erkennen. Unterwegs kamen mir viele Schüler
entgegen, die wohl in den letzten Zügen vor den Sommerferien waren.
Manche zu fuß andere mit dem Rad. Ein paar wenige hatten wohl auch noch
ein Sportfest und kämpften sich schweißtreibend im Stadion und sprangen,
liefen und warfen. Eine Schule machte sich schon durch laute Musik aus der
Ferne bemerkbar. Ein Orchester spielte wohlklingende Stücke vor den
versammelten Schülern und Lehrern auf dem Schulhof, welche zum letzten
Schultag ein fest veranstalteten. Bald fuhr ich weiter und die Landschaft
wurde wieder sehr ländlich. Viele Felder säumten den Weg und begleiteten
mich auf den letzten Kilometern Richtung Zürich. In einer Entfernung von
ca. 20km vor Zürich wurde ich dann auch auf die Schweizer Politik
aufmerksam gemacht, die vergleichbar mit der in der Umgebung Frankfurt
ist. Dabei hatten viele Bürger Plakate und Transparente aufgehangen und
mit Texten versehen die da lauteten: „Gleichberechtigung für alle!
Startbahn Richtung Osten“, „Keine Erweiterung auf unsere Kosten“
oder „Nicht alle Flüge über uns!“ etc.. Es handelte sich also um Bürgerproteste
gegen die wohl geplante Flughafenerweiterung von Zürich. Und in der tat hörte
ich vermehrt Flugzeuggeräusche, die sich mit zunehmender Nähe zu Zürich
noch verstärkten. Für mich war das jetzt nicht störend, sogar eher
interessant, aber für die Anwohner mit absoluter Sicherheit sehr nervend
und störend. Vermutlich wird dieser Bürgerprotest genau so erfolgreich
sein wie in Frankfurt oder an vielen anderen ähnlichen Orten. Kurz vor Zürich
kam ich an einer kleinen Wiese vorbei auf der Schafe standen. Das alleine
ist noch nichts besonders und bedarf hier auch keiner besonderen Erwähnung.
Nur stand ein Sonnenschirm auf dieser Wiese und die Schafe standen unter
diesem Schirm. Das war schon lustig, wobei es aber noch eine absolute
Besonderheit gab, denn der Sonnenschirm war zu klein um allen Schafen
Schatten zu spenden. Und das was bei Menschen nur ganz selten funktioniert
schien bei den Tieren ganz selbstverständlich. Jedes Schaaf blieb eine
gewisse Zeit unterhalb dieses Schirmes und ging dann freiwillig wieder in
die Sonne und stellte sich abermals hinten an um wieder erneut an die
Reihe zu kommen. Eine lustige aber sehr interessante Darstellung der
Tierwelt. Lehrreich für die Menschheit! Kurz danach erreichte ich die
ersten Häuser von Zürich und der Trubel und Verkehr nahm deutlich zu.
Zunächst steuerte ich wieder den Bahnhof an und informierte mich über
den Standort des Campingplatzes. Dieser lag zur Freude von mir nur ca.
vier Kilometer vom Bahnhof entfernt direkt am Züricher See. Einfach am
See entlang steuerte ich mein bike in die Richtung des Campingplatzes. Am
Ziel angekommen baute ich gemütlich mein Zelt auf hatte es dabei überhaupt
nicht eilig. Es war kurz nach Mittag und der halbe Tag lag noch vor mir.
Am Nachmittag fuhr ich dann ins Zentrum und ließ es mir gut gehen. Gemütlich
schlenderte ich durch die Gassen und nahm ein ausgedehntes Mahl am Züricher
See ein. Ein anschließendes Nickerchen in der Sonne war eine Wohltat.
Irgendwann wachte ich dann auf und entschloss in den angrenzenden Park zu
fahren und dort noch ein wenig die jetzt vorhandene Ruhe zu genießen. Am
frühen Abend fuhr ich dann zum Zeltplatz zurück und nahm ein
ausgedehntes Bad im See. Es war herrlich angenehm erfrischend und die
Bewegung im Wasser war doch eine ganz andere als die noch auf dem Rad.
Viele Camper und auch Gäste fanden sich am kleinen Strand ein und
genossen den warmen Sommerabend. Bis spät in die Nacht lag ich am Strand
und schaute auf den See, der immer noch einige Schwimmer beheimatete und
viele Boote trug. Irgendwann überkam mich die Müdigkeit und der
Schlafsack rief mich zur Ruhe.